Schleusentraining mit B.B.

Am Montag, 28.09. haben wir nach der intensiven Einweisung von Jakob das „freewatüüt“ übernommen. Das Wohnmobil liegt festgekrallt auf dem Floß und wir machen die ersten selbständigen Meter auf dem Wasser. Das Gefühl, wie sich solch ein Floß bewegt, ist noch nicht so richtig da. Wir fahren schön langsam aus der Parkbox und aus dem Hafen. Da wir früh dran sind mit der Einweisung, haben wir noch fast den ganzen Nachmittag vor uns. Wir entscheiden uns, nicht flußaufwärts nach Burgwall zu fahren (wie in Routenvorschlag 4a), sondern biegen rechts ab in Richtung Zehdenick. Wir erreichen den Stadthafen in rund 40 min. Die Karte zeigt zwar, dass die Marina in Fahrtrichtung links liegt, aber das ungeübte Auge kann nicht erkennen, ob es noch freie Park- bzw. Anlegemöglichkeiten gibt. Die Crew macht jedoch auf der linken Seite eine winkende Person aus. Sind das nur freundliche Grüße für Vorbeifahrende oder hat das Winken eine tiefere Bedeutung? Der Käpt’n dreht langsam und vorsichtig bei, wir erkennen eine ältere Frau auf einem Steg, über dem wir die Beschriftung „Little Marina“ und „Gastliegeplätze“ lesen können. Vorsichtig manövrieren wir uns an den Steg und werden von eben dieser Frau und einem älteren Herrn freundlich empfangen. Sie helfen uns, das Schiff festzumachen, wir stellen uns vor und lernen Brigitte Brenneiser und ihren Lebensgefährten Dieter kennen. Wir staunen nicht schlecht über Temperament und Fitness der älteren Dame. Sie habe mit Dieter gerade auf der Terrasse gesessen und Karten gespielt, als sie uns sah und einladend heranwinkte. Sie hat ein paar Dauermieter und zwei oder drei Gästeliegeplätze (littlemarina.zehdenick@web.de / 03307 2379). Wir bekommen Strom und das Angebot, am nächsten Morgen mit frischen Brötchen versorgt zu werden. Auch den Hinweis auf das unmittelbar benachbarte italienische Restaurant nehmen wir gern an.

Wir erzählen ihr von den vor uns liegenden Tagen, sie meint, dass wir da doch durch etliche Schleusen müssten und ob wir denn das Schleusen schon könnten. Wir verneinen, denn dafür hatten wir bei freecamper nur eine theoretische Erläuterung erhalten. Dann macht sie uns das Angebot, am nächsten Morgen mit uns eine Übungsrunde durch die nahe Schleuse Zehdenick zu fahren. Sie habe früher selbst ein Boot gehabt und würde uns gern zeigen, was beim Schleusen zu beachten ist.
Am nächsten Morgen kommen frische Brötchen. Nach dem Frühstück steigt Frau Brenneiser zu uns aufs Schiff. Wir fahren unter der Zugbrücke durch zur Schleuse, lernen das Einfahren und korrekte Anlegen, das Bedienen des grünen Hebels und dann die Ausfahrt. Kurz hinter dem Wartebereich der Schleuse drehen wir um und dann geht das Ganze wieder zurück. Wir sind um eine wichtige Erfahrung reicher. Zum Abschied tauschen wir noch die Telefonnummern aus, bedanken uns und fahren flußaufwärts in Richtung Burgwall.

Das Gasthaus „Zur Fähre“ wollen wir passieren, da sehen wir wieder eine winkende Person am Ufer. Wir halten es nicht für möglich, aber dort steht … Frau Brenneiser. Sie und Dieter sind mit dem Auto die wenigen Kilometer her gekommen. Nach einem freudigen Hallo erklärt sie, dass sie heute nicht wie geplant Fenster geputzt hat, sondern uns gern ein Stückchen auf der Havel begleiten möchte. Also nehmen wir sie an Bord, Dieter fährt mit dem Auto wieder nach Hause. Unterwegs erzählt sie uns aus DDR-Zeiten, wie „der Russe“ hier sein militärisches Übungsgebiet hatte, wie nach der Wende die Westdeutschen sich die schönsten Grundstücke am Havelufer gekauft hätten usw., viele persönliche Geschichten.

Später biegen wir rechts zum Großen Kuhwallsee ab und legen an der gesperrten alten Schleuse Kannenburg an. Dort gibt es die „Gaststätte Berlin“, welche von einer Freundin von Frau Brenneiser betrieben wird. Dienstag jedoch ist Ruhetag, alles liegt wie ausgestorben. Nur ein paar Menschen gehen „in die Pilze“, eine blökende Schafherde macht die einzigen Geräusche an diesem herbstlichen Sonnennachmittag. Unsere Reiseführerin wird später von Dieter abgeholt.

Wir haben zusammen mit einem weiteren Boot eine sehr idyllische Anlegestation und eine wunderbar ruhige Nacht. Am andern Tag setzen wir unsere Tour Richtung Himmelpfort fort.

Liebe Grüße von Gottfried, Christine und Johannes aus Kaiserslautern

Die Seele auf dem Kuhwallsee baumeln gelassen
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