Angeln aus dem Fenster muss man erlebt haben!

Im Herbst 2012 bekam ich Post von der Redaktion der „Promobil“. Hatte ich doch bei der Teilnahme an der Wahl der Stellplätze 2012 tatsächlich den 3. Preis gewonnen: 1 Woche auf dem „freecamper“. Super!! Mit dem Anbieter Herrn Frielinghaus persönlich machte ich bereits im November den Termin für diese Woche Urlaub aus. Alle wichtigen Vorab-Infos wurden mir rechtzeitig und vollständig zugesandt.
Da meine Frau nicht unbedingt eine „Wasserratte“ ist und mein Schwager und ich für das Frühjahr sowieso eine Angel-Tour geplant hatten, fuhren wir gemeinsam bereits am 02. Mai los. Wir fuhren gemütlich über Landstraßen. Nach einer Übernachtung in Weißensee (Thüringen) erreichten wir bereits am frühen Nachmittag des 03. Mai unser Ziel, die Kleinstadt Zehdenick, nördlich von Berlin gelegen. In der dortigen Tourist-Info kauften wir, natürlich nur nach Vorlage gültiger Angel-Ausweise, für 25 € unsere Wochen-Angelkarten  für den Bereich DAV-Gewässer im Land Brandenburg. Von hier ging es noch ca. 12 km weiter in den Ortsteil Mildenberg zum dortigen Hafen „Alte Ziegelei“, der Basisstation der freecamper. Hier wurde in und an einem alten Industrie-Gelände eine Anlage mit Ausstellungsflächen, Freiflächen, Gastronomie und mehreren Hafenanlagen geschaffen. Am Samstag nach unserem Eintreffen fand dort auch eine Ausstellung und Vorführung von alten Dampfmaschinen sowie ein großer Flohmarkt statt.

Wir meldeten uns beim Hafenmeister und konnten zusammen mit weiteren Wohnmobilen auf einer Wiese übernachten, um am nächsten Tag „unseren“ freecamper® zu übernehmen. Das Boot bzw. Motor-Floß war ganz neu und daher noch namenlos. Es war die erste Tour überhaupt für das gute Stück. Wir waren stolz, die Jungfern-Fahrer zu sein. Nach Erledigung aller schriftlichen Formalitäten und einer Kautions-Hinterlegung von 750 € fuhren wir auf das Boot. Anschließend wurde das Wohnmobil auf dem Boot mit Spannvorrichtungen befestigt und wir wurden in die Technik des Boots und des an Bord befindlichen Zubehörs eingewiesen. Es handelt sich bei dem freecamper® um einen sogenannten Trimaran mit 3 Schwimmkörpern und einem 60-PS-Außenborder und einem „ebenerdigen“ Steuerstand. Die freecamper® für Wohnwagen haben nur 2 Schwimmkörper, einen 40-PS-Außenborder und einen erhöhten Steuerstand, erreichbar über eine Leiter.

Verladen, befestigt, jetzt kann es losgehen...

Dann ging es los: Einweisungsfahrt mit einem Mitarbeiter von Herrn Frielinghaus. Drehen auf kleinem Raum sowie Anlege-Manöver, erlaubte Fahrgeschwindigkeit (9 km/h)  und Kurvenfahrt  wurden geübt. Außerdem gilt für den Bootsführer 0,0 Promille. Die Wasserschutzpolizei kontrolliert regelmäßig die Mietboote. Einen Bootsführerschein benötigt man nicht, aber die Einweisungsfahrt ist für jeden Bootsfahrer Pflicht und kostet 60 € extra. Schon bei der Einweisung merkten wir, dass das Boot aufgrund seiner 3 Schwimmkörper schwerer zu fahren ist als ein normales Boot, mit denen wir von mehreren Irland-Touren her bereits Erfahrung hatten. Also….immer schön vorsichtig. 750 € Kaution!!

Dann ging es endlich allein los. Unser Bereich, der nach der an Bord befindlichen Karte vorgegeben ist, war der Bereich Oberhavel. Die Havel ist fast im gesamten Bereich naturbelassen, also nicht kanalisiert. Ein wunderschönes und sehr ruhiges Bootsrevier, an dessen Ufern man häufig auch Stellen sieht, wo Biber sich ausgetobt haben. Das Kartenmaterial an Bord sowie die Kilometer-Beschilderung am Ufer ist sehr gut und gewährleistet, dass man  jederzeit seinen derzeitigen Standpunkt kennt. Für uns als Angler ist es allerdings schade, dass das Ankern im Fluss sowie das Festmachen an Uferbewuchs nicht erlaubt ist, auch wenn genug Platz vorhanden ist.

Die Schleusen der gesamten Strecke werden automatisch betrieben. Bei Ankunft vor der Schleuse zieht man an einem grünen Griff (in einem Metallkasten, jeweils gut markiert) und meldet sich an. Dann erscheint auf einer Leuchtschrift-Tafel vor dem Schleusentor die Laufschrift „Schleusung wird vorbereitet“ oder „Gegenschleusung abwarten“ und die Ampel zeigt Rot. Bei Grün geht es in die Schleuse….immer schön vorsichtig!!

Wartezone vor einer Schleuse

Nach gemütlicher Fahrt bei schönstem Wetter (übrigens die ganze Woche) und dem Passieren mehrerer Schleusen erreichten wir unser Tagesziel Bredereiche. Gleich hinter der dortigen Schleuse befindet sich der Gäste-Anleger mit Platz für 8 Boote. Die Liegegebühr wird nach Länge des Boots berechnet. In unserem Fall: 12 Meter gleich 12 €. Der Anleger gehört zum ca. 100 m entfernten Gasthaus „Bootshaus“, in dem sich auch die Sanitär-Anlagen befinden. Gebühr für die Dusche beträgt allerdings 2 €. Dafür war das Essen günstiger und sehr gut. Es gab gute Hausmannskost. Auf der Karte Angebote zwischen 5 und 10,50 €. Für mich gab es Spargel mit Schnitzel, dazu einige frisch gezapfte Biere, und dann ins Bett. Das hat schon was….. schlafen auf dem Wasser im eigenen Bett!

Da es am Anleger sehr ruhig war und wir endlich angeln wollten, blieben wir den ganzen Tag dort und sogar die nächste Nacht. Essen gab es wieder im Bootshaus, genau so lecker wie am Vorabend. Wir mussten Essen gehen, weil die größeren Fische unsere Köder bisher einfach ignorierten. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ging es einige Kilometer weiter, vorbei an dem direkt am Ufer gelegenen Campingplatz Zootzen, in den Stolpsee. Hier ankerten wir vor einem Schilfgürtel und konnten bei absoluter Ruhe bis zum Nachmittag angeln, leider wieder nur Kleinfische, aber jede Menge.
Am Nachmittag lichteten wir den Anker und fuhren über den Stolpsee in den Schwedtsee zum Bootshafen in Fürstenberg. Die Einkaufsmöglichkeiten sowie ein Angel-Fachgeschäft waren alle zu Fuß erreichbar. Und das Gasthaus „Zur Linde“ , ein altes und sehr schön hergerichtetes Fachwerkhaus, lag ebenfalls auf dem Weg. Also….nichts wie rein! Schön hier, und wieder gut und preiswert.

Weil unser Boot ganz neu war und eine Inspektion des Außenborders anstand, hatte uns Herr Frielinghaus gebeten, am nächsten Vormittag bei einer Werft am Baalensee, nur wenige Kilometer vom Bootshafen Fürstenberg entfernt, anzulegen. Für diese Gefälligkeit unsererseits hat Herr Frielinghaus uns am Ende der Reise noch einen Teil der Benzinkosten erlassen. Während der Inspektion konnten wir am Anleger der Werft angeln. Hier ging dann endlich ein Abendessen, ein schöner Hecht, an den Haken. Anschließend fuhren wir zurück zum Anleger Fürstenberg und bauten den mitgeführten Elektrogrill auf. Beim Grillen des Hechts gab es viele neidische Blicke von den Nachbarbooten. Aber das störte uns nicht.

Am Bootsanleger in Fürstenberg

Am nächsten Tag versuchten wir unser Angler-Glück im Tiefwasser mitten auf dem Schwedtsee. Aber die Hechte hatten sich aus Trauer um ihren Kameraden vom Vortag wohl alle versteckt. Egal, uns ging es ums Angeln selbst, nicht unbedingt um die Fische. Wir fuhren anschließend über den Stolpsee zurück bis zum Sportboot-Anleger in Himmelpfort, einem kleinen gemütlichen Ortsteil von Fürstenberg. Hier wird die Liegegebühr an einem Automaten bezahlt, pauschal 10 €, Duschen ebenfalls kostenflichtig. Wir gingen ins Dorf und kauften für unser Abendessen ein. Anschließend wurden noch ein paar Würmer und Maden gebadet. Die anschließende Nachtruhe war wirklich eine solche….nichts war zu hören, bis morgens die ersten Boote wieder fuhren. Dann machten wir uns langsam auf den Weg in die Gegenrichtung und fuhren, vorbei am Ufer des Campingplatzes Himmelpfort, über Bredereiche  bis zum Anlegesteg am „Fährhaus“ in Burgwall. Natürlich war hier allerhand los. Es war „Männertag“, und überall ging die Post ab. Wir gönnten uns ein paar Bier und etwas zum Essen (wieder sehr gut!) und ließen uns von der Kellnerin einen Beleg über den Verzehr geben. Diesen sichtbar an der Seitenscheibe des Wohnmobils angebracht, und die Übernachtung am Anleger war kostenfrei.

Am letzten Morgen hatten wir nur noch einen Weg von 6 km vor uns. Kurz nach Erreichen der Basisstation wurde der Anleger, der speziell für die freecamper® gebaut wurde (elektrisch höhenverstellbar, spezielle Halterungen mit Sicherungsbolzen) frei. Wir konnten zügig runterfahren und das nächste schon wartende Wohnmobil konnte an Bord fahren. Nach Abrechnung des Benzins (wir hatten 47 Liter verbraucht) und Auszahlung der Kaution machten wir uns wieder auf den Heimweg.

Fazit:

Angeln macht Spaß, Wohnmobil-Touren machen Spaß, aber Angeln „aus dem  Fenster“ muss man mal erlebt haben!

Ronald & Schwager aus dem Saarland

Hausboot der Luxusklasse
Ein Abenteuer, das wir wiederholen werden
Angeln aus dem Fenster muss man erlebt haben!
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